Jahresbericht

Jahresbericht EdGar „Garten – Leben – Lernen“

Ein ganzes Jahr lang haben die „Wilden Würmer“, die „Kleinen Salatgurken“ und die „Grabegabel-Freaks“ der dritten bzw. vierten Klassen gemeinsam den Schulgarten bewirtschaftet und jeden Mittwoch für zwei Stunden Stifte gegen Hacke, Spaten und Co getauscht.

Los ging es im Februar mit der Frage „Was ist eigentlich Gemüse?“ und der ersten Jungpflanzenanzucht, bevor es im März dann endlich raus in den Garten ging. Dort mussten zunächst die Beete aufgeteilt und vorbereitet werden. Dazu wurden Maß- und Saatschnüre gebastelt, mit deren Hilfe der Schulgarten ausgemessen und die Beete untereinander aufgeteilt wurden. Jede Klasse bekam so ihr eigenes Beet, in dem umgegraben, Unkraut gejätet und Kompost ausgebracht werden musste, ehe die ersten Radieschen gesät und der im Februar vorgezogene Salat gepflanzt werden konnte.

Neben den Klassenbeeten gibt es im Schulgarten auch noch zahlreiche Gemeinschaftsbeete, in denen alle Klassen gemeinsam gärtnern. Neben einem Kartoffelbeet und einem Kräuter- und Erdbeerbeet gibt es noch das sogenannte Indianerbeet. Dort wurde eine südamerikanische Mischkultur aus Kürbis, Mais und Stangenbohnen erprobt, in welcher sich die Pflanzen optimal ergänzen. Um noch ein wenig mehr Platz für Kräuter und Gemüse zu haben, wurden zusätzlich noch weitere kleine und ein großes Gemeinschaftsbeet angelegt. Diese Aufgabe erwies sich dann jedoch als unerwartetes Großprojekt, denn beim Umgraben fand sich im Boden ein Stück Plane, welches sich als Überrest des ehemaligen Schulteichs entpuppte. Die Kinder waren hochmotiviert, diese Folie gänzlich auszugraben!

Doch auch außerhalb der Beete gab es viel zu tun: Damit in den Beeten alles gut wächst und die Pflanzen gut mit Nährstoffen versorgt werden, gibt es im Schulgarten einen großen Komposthaufen. Dieser wurde umgesetzt und der bereits einsatzbereite Kompost gesiebt, ehe er in die vorbereiteten Beete ausgebracht wurde. Die Schülerinnen und Schüler legten außerdem in Kleingruppen einen eigenen kleinen Wurmkompost an und setzten sich näher damit auseinander, wie „Konrad, der Kompostwurm“ lebt und ob er für den Garten vorteilhaft ist oder nicht. Scheinbar sind sie zu einem Ergebnis gekommen, denn beim Hacken kam es nun regelmäßig zu Regenwurmrettungsaktionen. Auch andere kleine und große Gartenbewohner wurden beim Gärtnern entdeckt und ausgiebig untersucht.

  

 

 

 

Da es im Schulgarten auch außerhalb der Beete fleißig wächst und wuchert, gab es viele Ecken, in denen sich beim Freilegen ausgetobt werden konnte. Mit den Ästen wurde eine Totholzhecke angelegt, welche in den nächsten Jahren noch weiter wachsen wird. Sie bietet hoffentlich vielen Tieren einen Lebensraum, die dann beobachtet werden können und den Schulgarten bereichern. Einige der Wege waren ebenfalls überwuchert und nicht mehr gut erkennbar, darum wurden sie erneuert. Mit dem übrig gebliebenen Rindenmulch konnten dann die im letzten Jahr gepflanzten Himbeersträucher gemulcht werden, damit diese in Zukunft reichlich Gelegenheiten zum Naschen und Marmelade kochen bieten.

Eine wichtige Aufgabe im Frühjahr war die Jungpflanzenanzucht: sämtliches Gemüse, alle Kräuter und Blumen, die nicht direkt gesät werden konnten, wurden von den Schülern und Schülerinnen selbst vorgezogen. Ende April wurde dann auch endlich „EdGar“, das mobile Gewächshaus, fertiggestellt und die letzten Pflanzen, denen es draußen noch zu kalt war, konnten „einziehen“.

EdGar wurde sodann auf dem Witzenhäuser Pflanzenmarkt der Öffentlichkeit präsentiert. Die einzigartige Konstruktion samt Solaranlage, Heizsystem und automatischer Bewässerung stieß auf großes Staunen und Interesse der Besucher*innen. Auch beim „Tag der offenen Gartenpforte“ präsentierten wir EdGar der Öffentlichkeit und öffneten zudem die Pforten des Schulgartens. Bei Live-Musik der Kasseler Band Los Chavos führten die Schüler*innen die Gäste durch den Garten und gegen Spende konnten selbst erzeugte Produkte wie Topfkräuter, Holunderblütensirup und Ringelblumenblüten-Salbe erworben werden. Viele Besucher*innen gerieten ins Staunen, was die jungen Gärtner*innen alles auf die Beine gestellt haben.

Mitte Mai war es dann für die wärmebedürftigen Bewohner EdGars soweit: Die große Pflanzaktion stand vor der Tür und neben den Beeten füllten sich auch zahlreiche Pflanzkübel mit Tomaten, Paprika, Gurken, Zucchini und Kürbissen. Doch auch sonst wurde es im Schulgarten nicht langweilig. Neben dem Pflanzen und Säen gab es jede Menge Unkraut zu jäten, Rankhilfen zu bauen, Kartoffeln zu legen und natürlich einiges zu ernten.

Doch im Schulgarten wird natürlich nicht nur gearbeitet! Am Ende der zwei Stunden gibt es jede Woche einen Snack aus dem Schulgarten. Anfang des Jahres gab es vor allem verschiedene Tees, erste frische Kräutern und Wintersalate zum Probieren. Im Sommer kamen dann immer mehr selbst gesäte oder gepflanzte Gemüsesorten dazu. Der Snack verwandelte sich so zunehmend zum Drei-Gänge-Menü. Kein Wunder also, dass sich der ein oder andere Gärtner als Feinschmecker herausstellte. Neben bekannten Leckereien wie Erdbeeren und Möhren forderte so manches eher unbekannte Gemüse zum Experimentieren heraus. Aber wer hätte vorher gedacht, dass z.B. schwarzer Rettich, rote Beete oder Herbstrüben so gut schmecken? Und so manches Mal sind es genau diejenigen gewesen, die anfangs meinten: „Mag ich nicht!“, die zum Schluss die allerletzten Reste aus dem Topf kratzten. Selbst angebautes Gemüse schmeckt eben besonders gut!

Und das konnte sich absolut sehen lassen! Jede Menge verschiedene Gemüsesorten und auch einige Beeren konnten geerntet werden. Teilweise so viel, dass wir gar nicht alles verarbeiten konnten und die Schülerinnen und Schüler sich beispielsweise mit den Taschen voller Zuckerschoten auf den Weg nach Hause machten.

Eine solche Ernte muss man natürlich feiern und nach getaner Arbeit kann man es sich bei Stockbrot mit selbst hergestellten Pesto-Varianten und Marmeladen aus dem Schulgarten auch mal gut gehen lassen.

Dann standen auch schon die Sommerferien vor der Tür und mit ihnen die Frage: Was passiert denn jetzt mit dem Garten? Das Gemüse macht schließlich keine Ferien und auch das Unkraut wächst weiter. Gut, dass einige der Schulgärtner auch in den Ferien Lust hatten mittwochs mit uns zu gärtnern und voll bepackt mit blauen Bohnen, Zucchini, Tomaten und Co nach Hause gingen.

Nach den Ferien gab es dann jede Menge zu entdecken: Die Tomaten haben zusammen mit den Flaschenkürbissen einen dichten Dschungel gebildet, in dem jede Menge leuchtend gelbe und rote Früchte hingen und sich lange grüne Kürbisse sprichwörtlich am Boden entlang schlängelten. Im Kartoffelbeet, welches vor den Ferien noch kräftig grün war, wurden die Dämme hingegen nur noch von den trockenen Überresten der Kartoffelpflanzen bedeckt, was bedeutete: wir können Kartoffeln ernten!

Doch auch ein paar unerfreuliche Entdeckungen wurden gemacht: Im Indianerbeet sind einige Pflanzen trotz großer Jät-Aktion vor den Ferien nicht besonders gut gewachsen und einige Pflanzen hatte Besuch von Mäusen. Also hieß es schnell Möhren und Rote Bete ernten, um diese vor den hungrigen Vierbeinern zu schützen. Aber was macht man jetzt mit den Massen an Gemüse? Genau, aufbewahren und später essen. Dazu wurden kurzerhand zwei alte Einkochtöpfe und eine Waschmaschinentrommel zum Erdkeller umfunktioniert und das Gemüse mäuse- und frostsicher eingelagert, bis es am Jahresende zu leckerem Salat, Suppe und anderen Köstlichkeiten weiterverarbeitet wurde.

Besonders im Spätsommer und Herbst wurde viel aus dem Garten verarbeitet und konserviert. So entstand zum Besispiel die „JoJoJo“-Marmeldade aus Josta-, und dreierlei Johannisbeeren, verschiedene Pestosorten, Hollunderblütensirup und frisch gepresster Apfelsaft. Außerdem wurden Kräuter für Tees getrocknet und eine Heilsalbe aus Ringelbumenblüten hergestellt.

Langsam neigte sich die Hauptsaison ihrem Ende zu und die Beete mussten geräumt werden, das heißt: Alles ernten, was noch zu ernten ist und die Beete winterfest machen. Die letzten Wintersalate wurden gepflanzt, ein vorerst letztes Mal Unkraut gejätet und der Kompost umgesetzt. In einer großen Mist- und Mulchaktion wurde in einige Beete Pferdemist als Dünger eingebracht und anschließend alle Beete mit Laub gemulcht. Beim Laub rechen fanden sich dann direkt vor dem Eingang des Schulgartens jede Menge Haselnüsse, die als Beilage für eine Kürbissuppe gesammelt wurden.

Doch auch wenn es in den Beeten nicht mehr so viel zu tun gibt und es draußen kalt wird, die Schulgartenzeit ist noch nicht vorbei. Auch im Klassenzimmer lassen sich die Produkte des Schulgartens weiterverarbeiten, es können Dinge für den Schulgarten wie beispielsweise Insektenhotels gebaut werden und Themen des Gärtners theoretisch vertieft werden. So setzten sich die Schülerinnen und Schüler im Winter mit der Vielfalt im Schulgarten und der Frage „Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Art und Sorte?“ auseinander. Auch wenn so manch eine Gemüseart, die angebaut wurde, vielen vorher unbekannt war, ließen manche Sortennamen noch einmal mehr aufhorchen. So wurden laut den Schülern beispielsweise „Schnitzelsalat“, „Spiegeleier“ und „blaue Bananen“ gesät. Zugegeben, da hat jemand bei zwei der Namen nicht genau hingehört, gemeint waren natürlich Schnittsalat und Spiegeleierblumen, aber die blauen Bananen, die gibt es wirklich! Hierbei handelt es sich jedoch nicht um bunte Vertreter der tropischen Frucht, sondern um Kürbisse.

Doch wie vermehrt sich eigentlich die echte Banane? Und wie tun es andere Pflanzen? Diesen und anderen Fragen gingen wir gemeinsam im Tropengewächshaus auf den Grund. Hier konnten außerdem verschiedene Techniken der Saatgutaufbereitung ausprobiert werden.

Das Thema Saatgut hat uns das ganze Schulgartenjahr hindurch begleitet: Zu Beginn wurden mit den Samen viele Pflanzen vorgezogen und einiges wurde direkt in den Beeten gesät. Das meiste Gemüse wurde geerntet und verarbeitet, sobald es reif war, doch ein paar Pflanzen haben wir stehen und Samen ausreifen lassen, sodass wir eigenes Saatgut vermehren konnten. Das wird dann im nächsten Jahr mit den neuen Klassen ausgesät.

Anhand verschiedenen Saatguts, welches mit allen Sinnen erforscht wurde, und den vielen verschiedenen Arten und Sorten, die die jungen Gärtner kennengelernt haben, zeigte sich die Vielfalt des Schulgartens. Auch die Vielfalt der Persönlichkeiten wurde während des Jahres deutlich und zeigte sich vor allem bei den verschiedenen Aufgaben im Schulgarten: Das eher ruhige Jäten, dass ein hohes Maß an Konzentration verlangt, war nicht für jeden etwas. Dafür wurde an anderer Stelle umso fleißiger gegraben und gebuddelt. Was wirklich alle gerne gemacht haben war aber das Zubereiten und Verzehren der Snacks aus dem eigenen Gemüse. So fand sich für jeden eine passende Aufgabe und gemeinsam konnte dabei viel entstehen.

Schön, dass die „Wilden Würmer“, „Kleinen Salatgurken“ und „Grabegabel-Freaks“ durch die Unterstützung vieler Spender und Förderer im letzten Jahr so viel erfahren durften! Die nächsten Klassen stehen schon in den Startlöchern und freuen sich auf ein spannendes Jahr im Schulgarten.